Sonntag, 25. Januar 2015

Erich Kästner - Sogenannte Klassefrauen


Heute poste ich mal etwas ganz anderes, nämlich das Gedicht Sogenannte Klassefrauen von Erich Kästner.

Als ich im letzten Jahr von einem Journalisten bei einem Interview für das Hamburger Abendblatt (Artikel KLICK HIER) gefragt wurde, was für mich der aktuelle Trend ist, antwortete ich ganz spontan: Trend ist, was gefällt. Und so sehe ich es auch.

Man muss nicht jeden Trend mitmachen, nur, weil er gerade von der Modeindustrie vorgegeben wird. Ich kaufe und trage das,  was mir persönlich gefällt und woran ich Freude habe. Natürlich deckt sich dabei vieles mit der aktuellen Mode. Aber es gibt für mich immer wieder angesagte Modeartikel, die mir persönlich überhaupt nicht zusagen oder auch ganz einfach nicht stehen. Dazu sage ich dann ganz entspannt: Nein. 
  
Das Gedicht Sogenannte Klassefrauen schrieb Erich Kästner bereits 1930. Natürlich ist die Ausdrucksweise passend zu der damaligen Zeit. Inhaltlich ist es aber, finde ich, aktueller denn je. Viel Spaß beim Lesen wünsche ich Euch.

Sind sie nicht pfui teuflisch anzuschauen? 
Plötzlich färben sich die "Klassefrauen", 
weil es Mode ist, die Nägel rot! 
Wenn es Mode wird, sie abzukauen 
oder mit dem Hammer blauzuhauen 
tun sie's auch. Und freuen sich halbtot. 

Wenn es Mode wird, die Brust zu färben 
oder, falls man die nicht hat, den Bauch... 
Wenn es Mode wird, als Kind zu sterben 
oder sich die Hände gelbzugerben, 
bis sie Handschuhn ähneln, tun sie's auch. 

Wenn es Mode wird, sich schwarzzuschmieren... 
Wenn verrückte Gänse in Paris 
sich die Haut wie Chinakrepp plissieren... 
Wenn es Mode wird, auf allen Vieren 
durch die Stadt zu kriechen, machen sie's. 

Wenn es gälte, Volapük zu lernen 
und die Nasenlöcher zuzunähn 
und die Schädeldecke zu entfernen 
und das Bein zu heben an Laternen - 
morgen könnten wir's bei ihnen sehn. 

Denn sie fliegen wie mit Engelsflügeln 
immer auf den ersten besten Mist. 
Selbst das Schienbein würden sie sich bügeln! 
Und sie sind auf keine Art zu zügeln, 
wenn sie hören, daß was Mode ist. 

Wenn's doch Mode würde, zu verblöden! 
Denn in dieser Hinsicht sind sie groß. 
Wenn's doch Mode würde, diesen Kröten 
jede Öffnung einzeln zuzulöten! 
Denn dann wären wir sie endlich los.

Erich Kästner (* 23.02.1899 / † 29.07.1974)

Kommentare:

  1. Ari gerade weil du nicht jeden Trend mitmachst,sehe ich mir deinen Blog täglich an.Das Gedicht ist genial.Musste lachen!Erich Kästner hat recht!Katja

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  2. Das hat Erich Kästner schon damals gut beobachtet - ein wahrhaftig kluger Mann. Reizend, dass Sie dieses Gedicht auf Ihrem Blog präsentieren. Bleiben Sie so wie Sie sind.
    Viele Grüße Susanne

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  3. Köstlich! Das sehe ich ganz genauso, liebe Ari.

    Liebe Grüße
    Sara

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  4. Hahaha, köstlich....aber genau so ist es!
    So sag ich immer "Stil hat, was Spaß macht!" Jeder bestimmt das selber!

    Liebe Grüße,
    Moni

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