Sonntag, 19. Juni 2016

Zwei Schutzengel in einer Woche – Schlimme Zustände im Regio Klinikum Wedel


Mitten in der Nacht rief mich meine Mutter aus dem Regio Klinikum Wedel vom Krankenhausbett an. Mit flehender Stimme sagte sie: Ich bekomme keine Luft mehr. Die Beatmungsmaske funktioniert nicht mehr. Niemand kommt und hilft mir, obwohl ich die Notklingel mehrfach gedrückt habe. Ich kann doch nicht aufstehen und Hilfe holen. 

Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie erschrocken und entsetzt ich war!

Zur Vorgeschichte:

Meine Mutter ist schon seit längerer Zeit schwer krank. Seit Dezember letzten Jahres braucht sie rund um die Uhr ein Sauerstoffgerät. Kurz nach Weihnachten sah es mit ihr schon sehr schlecht aus, so dass ich zu der Zeit schon Angst hatte, sie zu verlieren. Zum Glück stabilisierte sich ihr Zustand durch die dauerhafte Sauerstoffzufuhr.

Letzten Montag gegen 4.00 Uhr morgens bekam sie trotz Sauerstoffgerät keine Luft mehr und drohte zu ersticken. Mein Vater wählte sofort die 112. Zehn Minuten später war der Rettungswagen schon vor Ort. Meine Mutter wurde in die Regio Klinik Elmshorn gebracht. Sie musste reanimiert werden. Ich bin so unendlich dankbar, dass sie ins Leben zurückgeholt wurde. Wie gut, dass sie einen Schutzengel hatte. Wir haben ein sehr gutes und inniges Verhältnis. Ich hänge sehr an ihr und finde, dass es  mit 71 Jahren noch viel zu früh zum „Gehen“ ist.  Auf der Intensivstation in Elmshorn befand sie sich in guten Händen. Ich kann nur Positives von dieser Klinik berichten. 

Am Mittwoch wurde meine Mutter dann in das Regio Klinikum Wedel verlegt, weil sich dort eine Lungenfachabteilung befindet. Die ersten zwei Tage musste sie in Wedel noch auf der Intensivstation behandelt werden. Das Fachpersonal kümmerte sich gut um sie. Am Freitagnachmittag konnte sie dann auf die pneumologische Station verlegt werden.  

Ich freute mich und war auch gleichzeitig erleichtert, dass sie nicht mehr auf der Intensivstation behandelt werden musste. Nach den sorgenvollen Tagen ging ich am Freitagabend doch etwas beruhigter schlafen in der Annahme, sie sei im Krankenhaus gut aufgehoben und versorgt.

Mitten in der Nacht riss mich das Telefon aus dem Schlaf. Völlig verzweifelt rief mich meine Mutter vom Krankenhausbett an: Ich bekomme keine Luft mehr. Die Beatmungsmaske funktioniert nicht mehr. Niemand kommt und hilft mir, obwohl ich die Notklingel mehrfach gedrückt habe. Ich kann doch nicht aufstehen und Hilfe holen.
Ihre Bettnachbarin begab sich schon auf die Suche nach einer Krankenschwester, traf aber niemanden an. Bei meiner Mutter ist die Muskulatur momentan dermaßen geschwächt, so dass sie gar nicht aufstehen kann und quasi an das Bett gefesselt ist.  Es ist schon entwürdigend genug.
Mama, bleibe ganz ruhig, ich kümmere mich darum, war meine Antwort. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, was für ein Schock das für mich war. Ich versuchte, Ruhe zu bewahren und überlegte, was man am besten machen kann.
Dann kam ich auf die Idee, die Durchwahlnummer zu meiner Mutter einfach wegzulassen und stattdessen eine 0 ans Ende zu setzen. Sofort meldete sich die Notfallaufnahme. Ich schilderte, dass meine Mutter dort in der Lungenfachabteilung liegt und keine Luft mehr bekommt. Obwohl sie wiederholt die Notklingel bediente, kam niemand zur Hilfe. Der Pfleger von der Notfallaufnahme eilte sofort auf die Pneumologie und fand die zuständige Schwester in einem anderen Zimmer vor.
Erst jetzt kümmerte sich die Schwester um meine Mutter und stellte fest, dass sich der Schlauch von der Beatmungsmaske am Gerät gelöst hatte. Er wurde wieder befestigt. Endlich bekam sie wieder Sauerstoff und konnte richtig atmen.

Ist das nicht unfassbar? Meine schwer kranke Mutter liegt auf der pneumologischen Station und ist auf Sauerstoffzufuhr zwingend angewiesen. Die Sauerstoffzufuhr fällt aus. Sie drückt den Notknopf am Bett, und keine Schwester bzw. kein Arzt eilt zu ihr! Ich mag mir  gar nicht vorstellen, wenn sie mich telefonisch nicht erreicht und ich innerhalb von kurzer Zeit niemanden in der Klinik erreicht hätte. Ein Glück, dass meine Mutter wieder einen Schutzengel hatte.

Am nächsten Tag erfuhr ich von einer Ärztin, dass die Personaldecke schon seit geraumer Zeit dermaßen dünn geworden ist, was zur Folge hat, dass in der Nacht nur eine Schwester für die komplette Station und für die Notfallambulanz eingeteilt war. 
Ist es nicht furchtbar, dass hilfebedürftige kranke Menschen darunter leiden müssen, dass offenkundig nicht genügend Personal zur Verfügung steht? Ich finde das ganz schlimm!

Kommentare:

  1. Hatte ixh es im Urin, dass bei Dir nicht alles OK ist. Gut, dass sich der zustand stabilisiert hat. Mein Vater war in den letzten Jahren 2 mal auf kardiologischen Stationen und auch von dort gibt es ähnliches zu berichten. Notaufnahme und Ärzte topp. Pflegepersonal nett, aber überfordert. Routinedoku schlampig. Wie immer am falschen Ende gespart. LG und weiterhin gute Besserung Sunny

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    1. Da wir zwar auch gespart, aber das größte Problem ist, dass den Job einfach keiner mehr machen will. Selbst wenn du willst, kannst du niemanden einstellen, weil es die Leute einfach nicht mehr gibt.
      Liebe Grüße
      Andrea

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    2. stimmt. Unser Krankenhaus hat sogar eine Prämie ausgesetzt für Personalvermittlung.

      Liebe Ari, ich hoffe es kommt nicht meht vor und alles alles Gute für Deine Mam.
      liebe Grüße Tina

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  2. Liebe Ari,
    Was für eine schreckliche Geschichte! Ich wünsche Deiner Mama alles Gute und baldige Genesung. Ich bin auch schon seit Jahren im Pflegethema drin und könnte fast ein Buch schreiben, was ich in diversen Krankenhäusern erlebt habe. Manche Dinge sind sind schon an der Grenze zur Vernachlässigung aufgrund der dünnen Personaldecke. Meine Mutter ist durch Ihre Demenz leider komplett hilflos. Die Schwestern tun ihr Bestes, aber für Demenz Patienten sind die Krankenhäuser meist nicht personell ausgestattet. In kleineren Krankenhäusern geht es oft besser als in Grosskliniken. Alles Gute für Euch.
    Liebe Grüße
    Monika

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  3. Liebe Ari,
    wie gut, dass deine Mutter so viele Schutzengel hatte. Die Situation in den Krankenhäusern ist leider, dass sage ich aus eigener Erfahrung nach 10 Jahren Tätigkeit als Krankenschwester, katastrophal. Zu wenig Personal in sämtlichen Bereichen. Das war für mich vor fast 20 Jahren der Grund, auszusteigen und in einem anderen Bereich zu studieren. Eigentlich schade, weil ich meinen Beruf sehr mochte. Aber ich einfach nicht bereit, die Verantwortung für so viele Patienten zu übernehmen, um die ich mich nicht optimal und ausreichend kümmern konnte.
    Und ich kann dein Entsetzen darüber gut nachvollziehen, es würde mir nicht anders gehen.
    Alles Gute für deine Mutter und für dich. Ich hoffe, dass sie sich bald erholt.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. eine grauenvolle Situation . Unglaublich wo überall gespart wird . Das kann cih gar nicht verstehen . Gute Besserung für Deine Mama
    LG heidi

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  5. Der Schutzengel hat ganze Arbeit geleistet und du auch! Ich hoffe, Deiner Mutter geht es bald wieder besser. Die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen spotten manchmal jeder Beschreibung. Das ist schlimm, was da passiert. Wenn man dann auf der anderen Seite sieht, wo das Geld zum Fenster herausgeworfen wird, wird einem manchmal übel. Ich erinnere mich noch an den Moment, als uns gesagt wurde, dass eine Chemotherapie bei meiner Mutter nicht lohnen würde - sie sei zu alt, die Kosten zu hoch... Aber ihre Krankenkasse, die residiert in einem Palast mit Designpreis.
    Liebe Grüße
    Fran

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  6. Oje liebe Ari, das ist ja furchtbar. Beim lesen ist mir ganz anders geworden und ich bin soo froh das es so ein gutes Ende genommen hat. Ich kann mir vorstellen wie schlecht es deiner Mama gehen muss, ich habe einige Kunden, denen es ähnlich geht. Ich würde in deinem Fall an die Öffentlichkeit gehen, so etwas darf sich nie nie Wiederholen. :(
    Meine Tochter lernt gerade den Beruf der Krankenpflegerin und arbeitet zur Zeit auf Station. Sie ist noch ganz am Anfang aber sie sagte mir erst gestern das sie nicht weiß ob sie dem Druck standhält.. Auch berichtet sie über völlig gestresste Schwestern, die rumschreien und völlig überfordert zu sein scheinen. Es ist ein Unding das man nachts alleine für so viele Patienten verantwortlich sein muss, die zuständige Schwester kann ja gar nicht überall gleichzeitig sein und dann passieren solche gravierenden Fehler...
    Ich wünsche deiner Mutter Gute Besserung, das sie das Krankenhaus schnell bald verlassen kann und ihr noch viele schöne Stunden zusammen habt. Alles Liebe, fühl dich gedrückt, Vicky

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  7. Da fehlen einem die Worte liebe Ari. Ich hoffe für dich, dass der Schutzengel deiner Mutter noch lange aktiv ist.
    Meinem Vater ist es aber hier bei uns im Klinikum nicht viel besser ergangen. Er ist Gott sei dank nicht auf ein Sauerstoffgerät angewiesen, aber er lag mit einem schweren Bandscheibenvorfall in der Klinik und wurde doch tatsächlich einen Tag mit der Essensversorgung vergessen und man hatte ihn 2 volle Tage nicht darüber informiert, dass seine OP verschoben wird und ihn daher auf "Diät" gesetzt.
    Ich hoffe für dich und deine Familie, dass das Krankenhaus nun besser auf deine Mutter acht geben wird.

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  8. Was für eine furchtbare Situation, liebe Ari - es ist UNFASSBAR! Ich wünsche Deiner Mutter und allen Patienten das sich solche Erlebnisse nicht wiederholen und den Verantwortlichen im Krankenhaus bzw. Gesundheitswesen, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden.

    Liebe Grüße Brigitte

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  9. Liebe Ari,
    zwei Mal tief durchschnaufen und drei Mal dankbar sein, dass der Schutzengel Überstunden gemacht hat. Oje, da macht Ihr ja gerade ganz schön was mit.
    Aber wie meine Vorschreiberinnen habe ich Ähnliches - wenn auch nicht in diesem Ausmaß- auch schon erleben müssen.
    Ich wünsche Euch alles, alles Gute und dass es Deiner Mutter bald wieder so gut geht, dass sie wieder nach Hause kann.

    Liebe Grüße Katja

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  10. Oh man...als ich das eben gelesen habe wurde mir ganz anders. Die Zustände in den Kliniken sind wirklich miserabel. Deine Mama hat einen sehr guten Schutzengel gehabt. Ich hoffe auch sehr das er noch ganz lange Zeit auf deine Mama aufpasst. Alles Liebe für dich und deine Familie.
    Liebe Grüße von
    Nanny

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  11. Oh nein.....es ist doch überall das Gleiche......eigentlich ein absolutes NO-GO für ein Land wie Deutschland....ich könnte Dir auch viele Geschichten über Krankenhäuser erzählen. Meine Eltern könnten beide noch leben, wenn nicht...ach....ich will gar nicht schimpfen, ändern kann ich es ja eh nicht mehr. Aber ich meine auch, dass sich hier schnellstmöglich was ändern müsste!!!! Ich drücke Deiner Mama ganz ganz fest die Daumen, und hoffe, es geht ihr bald wieder besser.
    Lieben Gruß
    Gisi

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  12. Gottseidank konnte Deine Mutter Dich anrufen!!!
    Gut, dass es Schutzengel gibt und schlimm, was in manchen Berufsgruppen/Unternehmen, wo Leute echt hart arbeiten müssen, so passiert. Aber Hauptsache, irgendwelche Manager hauen sich mit unvorstellbaren Gehältern die Taschen voll. Ich könnte nur ko....! :(
    Ich wünsche Euch, dass Ihr nicht NOCH mehr Schutzengel benötigt!
    LG
    Gunda

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  13. Liebe Ari,
    ich bin total schockiert. Aber man liest leider überall solche Geschichten. Wie gut, dass Deine Mutter Dich erreichen konnte. Das kann alles nicht mehr angehen. Gute Besserung weiterhin.

    Liebe Grüße Sabine

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  14. Liebe Ari,
    schlimme Zustäbde sind das!
    Ich kann mir gut vorstellen, was Du durchgemacht hast! Zum Glück ist gerade noch mal alles gutegegangen. So etwas müsste an die Presse...
    LG Marita

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  15. Oh ich habe echt Gänsehaut beim Lesen.... na gut, dass deine Mama Dich geistesgegenwärtig anrufen konnte und du so reagiert hast und und und... das nenne ich echt glückliche Fügung. Ich drück die Daumen, dass es Deiner Mama bald wieder etwas besser geht. Diese Hilflosigkeit ist sicher schwer zu ertragen.
    Liebe Grüße Jacky

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  16. Liebe Ari,
    ich wünsche Deiner Mama alles Gute für Ihre Gesundheit und das es Ihr bald besser geht !!!
    Ich war die letzten Jahre auch öfters Patientin und habe das Elend der Unterbesetzung des Personals mitbekommen. Die Krankenschwestern gehen in Ihren Job echt auf dem Zahnfleisch. Es ist gut, wenn man sich als Kranke noch selber helfen kann, traurig aber wahr !
    Da kann ich nur sagen " Armes Deutschland" ! Kinder, Kranke und arme alte Menschen haben in unserer Gesellschaft keine Lobby. In meiner Stadt ist es besonders schlimm, für Kinder gibt es hier fast nichts. Ich habe auch den Eindruck unsere Eltern haben uns noch mit auf den Weg gegeben ( durch ihre Vergangenheit), uns um unsere Gesellschaft zu kümmern, sei es politisch oder ehrenamtlich. Viele Kinder lernen es nicht mehr, weil es uns auf den ersten Blick ja gut geht in Deutschland. Ich denke, das wird die nächsten Jahre noch schlimmer werden und die Politiker können machen,was sie wollen. Traurig, aber wahr und ich weiß wovon ich rede, weil ich mit Jugendlichen arbeite, da kommt aus dem Elternhaus nichts mehr.
    Trotz allem wünsche ich Dir und Deiner Mama alles Gute und eine ruhige Woche ! LG Andrea

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  17. Liebe Ari,

    vielen Dank für diesen Artikel. Es müsste normal an die Presse gegeben werden. Ich danke Dir, denn Deine Mutter, sie ist auch meine Schwester, und ich habe grosse Angst um sie gehabt und hoffe so sehr, dass alles gut wird.
    Immer wieder hört man, dass heute leider viel zu wenig Personal in den Kliniken ist, doch schwerkranke Menschen dürfen darunter nicht leiden und schon gar nicht in einer Lungenfach-Klinik. Ich wünsche alles Gute für Euch.

    LG Lotti

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  18. Das tut mir sehr leid, liebe Ari. Zum Glück ist es ja noch einmal gut für deine Mama und euch ausgegangen. Doch der Schock saß bestimmt tief.

    Aber mir tut auch die andere Seite leid. Für das Pflegepersonal muss es schrecklich sein, unter solchem Druck zu arbeiten und dann auch noch die Reaktionen der (zu recht) aufgebrachten Angehörigen aushalten zu müssen.

    Ich möchte keine Krankenschwester sein und bewundere jeden für seinen Einsatz auf diesem Gebiet.

    Alles Gute für deine Mama. Ich drücke euch ganz fest die Daumen.

    Lieben Gruß
    Sabine

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  19. Das ist ein Fall für die Presse!

    Nana

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